Kalt erwischt - Auswanderung auf der Kippe?
Heute ist es genau sieben Jahre her, dass unser Auswanderungsabenteuer nach Norwegen begann. Wir, das sind meine Lebensgefährtin Kerstin, zwei Hunde, ein Kater und ein Shetlandpony, das nachgereist ist, und ich. Mann, kaum zu glauben, dass das schon wieder so lange her sein soll! Wie die Zeit vergeht! Ich erinnere mich noch genau an den Tag der Abfahrt aus unserer alten fränkischen Heimat Coburg. Es war ein grauer, schneeloser Januartag, und wir hatten den Tag zuvor damit verbracht, unseren BMW-Kombi samt Dachbox bis in die letzte Ritze mit all dem vollzustopfen, was wir wohl für den Start in unserer neuen Heimat brauchen würden. Der Platz im Auto und in der Dachbox musste fürs Erste reichen.
Unser erstes Etappenziel an jenem Tag war eine gemietete Ferienhütte auf einem Campingplatz nahe der dänischen Stadt Kolding. Wir erreichten es planmäßig gegen 21 Uhr. Wir gingen kurz mit den Hunden auf dem ansonsten verwaisten Campingplatz Gassi, befreiten den Kater endlich aus seiner kleinen Box, aßen etwas und gingen dann nur noch ins Bett! Am nächsten Tag standen schließlich weitere 1.000 Kilometer über den Landweg via Schweden auf dem Programm.
Wir waren voller Vorfreude auf unser neues Zuhause und konnten nicht ahnen, dass der planbare Teil unseres Abenteuers schon vor dem Frühstück am nächsten Morgen enden und der unplanbare Teil beginnen würde. An jenem Morgen erhielt Kerstin einen Anruf von der Polizeidirektion Nürnberg. Man teilte ihr mit, dass ihre Tante tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden war. Sie war schwer erkrankt, jedoch hatte sie dies gegenüber niemandem preisgegeben, wie sich in diesem Moment herausstellte. Deshalb wussten weder Familie noch Nachbarn oder Freunde, wie schlecht es tatsächlich um sie stand. Laut den Ausführungen des Beamten benachrichtigten besorgte Nachbarn die Behörden erst zwei bis drei Tage nach ihrem Tod, die sie schließlich tot in ihrem Schlafzimmer auffanden.
Zu diesem Zeitpunkt kümmerte sie sich um Kerstins Mutter. Die lebte ebenfalls in Nürnberg, allerdings in einem Pflegeheim. Plötzlich standen alle weiteren Auswanderungspläne auf der Kippe. Was sollten wir nur tun? Weiterfahren oder lieber gleich wieder umkehren? Nach unzähligen Telefonaten beschlossen wir, erst einmal weiterzufahren und das Haus, das wir in Ulefoss, einem kleinen Städtchen nördlich von Skien, gemietet hatten, zumindest erst einmal zu beziehen. Kerstins Mutter war ja versorgt und die Wohnung der Tante war vorübergehend von der Polizei versiegelt, also gab es die nächsten Tage ohnehin nichts, was wir vor Ort in Nürnberg hätten tun können.
Die Tour durch Schweden und der Grenzübertritt zogen sich an diesem Tag zwar hin, verliefen aber ohne Probleme. Mit der Überquerung des Oslofjords kehrte der Adventurespirit jedoch zurück. Dort begrüßte uns der Winter auf seine norwegisch-frostige Art. Bei minus 10 Grad und starkem Schneetreiben waren die Straße und die umliegende Landschaft zu einer einzigen weißen Fläche verschmolzen. Die sogenannten „Brøytestikker“, dünne, lange Stäbe mit Reflektoren, die alle 50 Meter links und rechts des Weges den im Winter verborgenen Fahrbahnrand für die Räumfahrzeuge markierten, lieferten den einzigen Anhaltspunkt dafür, wo die Fahrbahn in etwa verlief. Anstatt der geplanten zwei Stunden brauchten wir für die Fahrt von der Oslofjordfähre bis nach Ulefoss ganze vier Stunden.
Als wir erschöpft dort ankamen, wartete eine weitere Überraschung auf uns. Zwar bekamen wir von einem Bekannten unserer norwegischen Vermieterin den Haustürschlüssel, wie versprochen, allerdings hatte sie uns erst am nächsten Tag erwartet. An sich kein Problem, sollte man meinen, aber mittlerweile war das Thermometer auf minus 16 Grad gesunken. Auch im Haus war es in manchen Räumen, wie z.B. dem Schlafzimmer deutlich unter null Grad. Der Parkplatz vor dem Haus war aufgrund einer Schneehöhe von knapp einem Meter mit dem Auto unerreichbar. Die einzige Alternative war, die Sachen zu schultern und die letzten paar Meter zu schleppen – half ja nichts. So wurde uns wenigstens wieder etwas warm.
Trotz eingeschalteter Heizung schliefen wir die erste Nacht mit Mütze und Kleidung. Selbst die Hunde und der Kater kuschelten sich aufgrund der Kälte auf die Bettdecken, was sie sonst eigentlich nicht durften. An jenem Abend hatten wir allerdings nichts dagegen. Ich muss zugeben: Wir hatten uns die erste Nacht im neuen Heim deutlich romantischer vorgestellt.
🇳🇴 Tatt på senga - utvandringen på spill?
I dag er det hele sju år siden vårt utvandringsventyr til Norge begynte. Vårt, det vil si min samboer Kerstin, to hunder, en katt og en shetlandsponni som ble hentet senere, og meg. Det er nesten ikke til å tro at det allerede er så lenge siden! Tiden går så fort! Jeg husker fortsatt så godt dagen vi reiste fra vår gamle frankiske hjemby Coburg. Det var en grå, snøfri januardag, og vi hadde brukt dagen før til å fylle bilen vår, en BMW-kombi med takboks, til siste millimeter med alt vi trodde vi ville trenge for å starte på nytt i vårt nye hjemland. Plassen i bilen og takboksen måtte holde i det første.
Unser erstes Etappenziel an jenem Tag war eine gemietete Ferienhütte auf einem Campingplatz nahe der dänischen Stadt Kolding. Wir erreichten es planmäßig gegen 21 Uhr. Wir gingen kurz mit den Hunden auf dem ansonsten verwaisten Campingplatz Gassi, befreiten den Kater endlich aus seiner kleinen Box, aßen etwas und gingen dann nur noch ins Bett! Am nächsten Tag standen schließlich weitere 1.000 Kilometer über den Landweg via Schweden auf dem Programm.
Wir waren voller Vorfreude auf unser neues Zuhause und konnten nicht ahnen, dass der planbare Teil unseres Abenteuers schon vor dem Frühstück am nächsten Morgen enden und der unplanbare Teil beginnen würde. An jenem Morgen erhielt Kerstin einen Anruf von der Polizeidirektion Nürnberg. Man teilte ihr mit, dass ihre Tante tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden war. Sie war schwer erkrankt, jedoch hatte sie dies gegenüber niemandem preisgegeben, wie sich in diesem Moment herausstellte. Deshalb wussten weder Familie noch Nachbarn oder Freunde, wie schlecht es tatsächlich um sie stand. Laut den Ausführungen des Beamten benachrichtigten besorgte Nachbarn die Behörden erst zwei bis drei Tage nach ihrem Tod, die sie schließlich tot in ihrem Schlafzimmer auffanden.
Zu diesem Zeitpunkt war sie die Betreuerin für Kerstins Mutter. Die lebte ebenfalls in Nürnberg, allerdings in einem Pflegeheim. Plötzlich standen alle weiteren Auswanderungspläne auf der Kippe. Was sollten wir nur tun? Weiterfahren oder lieber gleich wieder umkehren? Nach unzähligen Telefonaten beschlossen wir, erst einmal weiterzufahren und das Haus, das wir in Ulefoss, einem kleinen Städtchen nördlich von Skien, gemietet hatten, zumindest erst einmal zu beziehen. Kerstins Mutter war ja versorgt und die Wohnung der Tante war vorübergehend von der Polizei versiegelt, also gab es die nächsten Tage ohnehin nichts, was wir vor Ort in Nürnberg hätten tun können.
Die Tour durch Schweden und der Grenzübertritt zogen sich an diesem Tag zwar hin, verliefen aber ohne Probleme. Mit der Überquerung des Oslofjords kehrte der Adventurespirit jedoch zurück. Dort begrüßte uns der Winter auf seine norwegisch-frostige Art. Bei minus 10 Grad und starkem Schneetreiben waren die Straße und die umliegende Landschaft zu einer einzigen weißen Fläche verschmolzen. Die sogenannten „Brøytestikker“, dünne, lange Stäbe mit Reflektoren, die alle 50 Meter links und rechts des Weges den im Winter verborgenen Fahrbahnrand für die Räumfahrzeuge markierten, lieferten den einzigen Anhaltspunkt dafür, wo die Fahrbahn in etwa verlief. Anstatt der geplanten zwei Stunden brauchten wir für die Fahrt von der Oslofjordfähre bis nach Ulefoss ganze vier Stunden.
Als wir erschöpft dort ankamen, wartete eine weitere Überraschung auf uns. Zwar bekamen wir von einem Bekannten unserer norwegischen Vermieterin den Haustürschlüssel, wie versprochen, allerdings hatte sie uns erst am nächsten Tag erwartet. An sich kein Problem, sollte man meinen, aber mittlerweile war das Thermometer auf minus 16 Grad gesunken. Auch im Haus war es in manchen Räumen, wie z.B. dem Schlafzimmer deutlich unter null Grad. Der Parkplatz vor dem Haus war aufgrund einer Schneehöhe von knapp einem Meter mit dem Auto unerreichbar. Die einzige Alternative war, die Sachen zu schultern und die letzten paar Meter zu schleppen – half ja nichts. So wurde uns wenigstens wieder etwas warm.
Trotz eingeschalteter Heizung schliefen wir die erste Nacht mit Mütze und Kleidung. Selbst die Hunde und der Kater kuschelten sich aufgrund der Kälte auf die Bettdecken, was sie sonst eigentlich nicht durften. An jenem Abend hatten wir allerdings nichts dagegen. Ich muss zugeben: Wir hatten uns die erste Nacht im neuen Heim deutlich romantischer vorgestellt.